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Nazidemos und erneute Jagdszenen in Stolberg und Aachen

 

Die Problematik ist bekannt. Doch das Ausmaß überraschte. Oder auch nicht. Jedenfalls nutzten auch dieses Jahr FaschistInnen aus mehreren Ländern Europas den Mord an einem Deutschen vor zwei Jahren, für ein Event erschreckender Dimension.
Europaweit wurde mobilisiert. Für einen "Trauermarsch" und einen Fackelmarsch schon am Vorabend. Aus ganz Deutschland waren Nazis angereist. Und nicht nur das. Sie kamen aus Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, der Schweiz, Italien, Frankreich, Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark. Wer nun denkt es sei die Rede von Dresden der irrt. Die Rede ist von Stolberg. Stolberg, ein kleines Städtchen bei Aachen im Rheinland.
Hier entsteht derzeit vermutlich eines der größten regelmäßigen Nazievents Europas. Der Fackelmarsch war besucht von gut 250 Nazis. Abgesehen davon, dass es kein richtiger Fackelmarsch war, da nur zehn Fackeln geführt werden durften, ist diese Anzahl von Rechten erschreckend. Und das bei einer Abenddemo, die traditionell und aus organisatorischen Gründen kleiner sind als diese, die Samstagmittag stattfinden.

Die Nazis fackelten also am Abend des 2.April durch Stolberg. "Trauerten" um ihren vermeintlichen Kameraden und ließen sich nicht davon aufhalten, dass AntifaschistInnen versuchten in kleineren Gruppen auf die Route zu kommen und diese zu blockieren. Diese Versuche wurden von der Polizei mit äußerstem Unverständnis unterbunden und verhindert. Es gab mehrere willkürliche Kessel, bei denen AntifaschistInnen festgesetzt wurden, damit sie ja nicht ihr Recht wahrnehmen konnten. Als der Fackelmarsch vorbei war, ging es für die meisten AntifaschistInnen mit dem Zug zurück nach Aachen. Am Bahnhof kam es dann zu mehreren Auseinandersetzungen mit Nazis, bei denen mindestens ein Nazi und mehrere AntifaschistInnen verletzt wurden. Nachdem eine Gruppe von knapp 10 Nazis an der Normaluhr vor anrückender Polizei flüchteten, kam es in der naheliegenden Herzogstraße zu einem brutalen Übergriff bei dem zwei AntifaschistInnen verletzt wurden. Dabei blieb es aber nicht. Gegen 4.20 Uhr wurde ein Punk aus den Niederlanden am Aachener Markt Opfer eines Übergriffs von einer Gruppe Nazis. In der Nacht kam es dann offenbar noch zu Schmierereien gegen das Autonome Zentrum (AZ) zwischen Bahnhof und Normaluhr. Einfallslos wurde "Hitler" und "NS-Jetzt" sowie "KAL" an die Mauern und eine Wand geschmiert. Im Großen und Ganzen war der Fackelmarsch für die Antifaschistische Seite nichts anderes als das Erwartete. Einzig und allein die Anzahl der Nazis überraschte.


Am Samstag sollte nun also der "lang erwartete Trauermarsch für den Kameraden Kevin P." stattfinden. Aus allen Ecken angereist wollten sie um 12 Uhr an der Schneidmühle losmarschieren. Daraus wurde erstmal nichts weil die Polizeikontrollen sich hinzogen und viele Nazis Stolberg erst später erreichten. Am Bahnhof stehen Wasserwerfer, Räumpanzer und jede Menge Polizeiwerkzeug bereit.

Gegen 14.10 Uhr soll es dann wohl losgegangen sein. Etwa 600 Nazis marschieren schweigend durch Stolberg. Beschallt von schrecklicher "melancholischer" (?) Musik und begleitet von den Polizeihundertschaften. Vorneweg eine Reihe von Polizeipferden. Nach wie vor sieht die Polizei wohl keinen Grund dafür, endlich aus dieser mittelalterlichen Methode auszusteigen und diese Tierausbeutung zu stoppen.

Am Rande der Route befinden sich immer wieder kleinere Gruppen von AntifaschistInnen. Allerdings nicht der Rede wert wenn mensch sich die Nazis ansieht. Die Polizei ist derweil fleißig damit beschäftigt willkürlich Platzverweise gegen Personen aus dem Antifaschistischen Spektrum auszusprechen. Das hindert aber nicht daran, dass es gegen 16.20 eine Antifa-Blockade an der Eschweilerstraße gibt, die allerdings nach einigen Minuten von der Polizei geräumt wird. im Laufe der Demonstration der FaschistInnen fliegen immer wieder Böller, weswegen die Polizei sofort den Zug stoppt und einzelne Nazis versucht herauszugreifen. Diese Repressiontaktik gegen die Nazis ist vollkommen kontraproduktiv, da sie nur noch mehr Gründe liefert sich als Nazis gegen das System zu stellen. Später gibt es eine kurze Blockade auf der Nikolausstraße, doch auch die wird nach wenigen Minuten geräumt. Währenddessen kommt es in den Nebenstraßen von Stolberg zu Jagdszenen zwischen Polizei und Antifa. In einer Nebenstraße direkt neben der Naziroute kommt es zu Auseinandersetzungen. Während die Nazis in hundert Metern Entfernung ihre rassistischen Parolen brüllen werden AntifaschistInnen durch die Straßen gejagt und von Hundestaffeln bedroht. Im Laufe dieser Szenen wird mindestens ein schniekes glitzerndes Auto beschädigt. Gegen 17.10 kommt an der Stefaniusstraße zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen knapp 10 Antifas und etwa 5 Nazis. Nachdem die Polizei die Nazis bereitwillig zu den AntifaschistInnen durchgelassen hat, steht sie halbherzig daneben als aufeinandereingeprügelt wird. Bei der Auseinandersetzung fliegen auch Gegegenstände und es kommt ein Knüppel zum Einsatz. Ein Antifaschist wird dabei am Bein verletzt, ein anderer festgenommmen. Die Polizei bekommt die Situation erst nach einigen Minuten mit CS-Gas in der Hand, bereit zum Sprühen und dem Einsatz von Schlagstöcken unter Kontrolle. Die AntifaschistInnen werden festgesetzt. Nach einigen Minuten wird ihnen freigestellt, den Ort zu verlassen, was sie allerdings nicht tun, da sie sich zu keinem der Bahnhöfe in Stolberg bewegen dürfen. Die Polizei bekommt offenbar nicht mit, dass sich etwa hundert Meter oberhalb der AntifaschistInnen weitere Nazis befinden, die das Geschehen beobachten.

Die AntifaschistInnen wurden nun etwa eine Stunde lang von einem Kamerawagen gefilmt. Beim Brötchen essen. Da fragt mensch sich wer so etwas eigentlich bezahlt...

Gegen 19.30 Uhr dürfen die AntifaschistInnen nun den Ort endlich mit Autos verlassen.


In Aachen und Eilendorf kam es derweil erneut zu Angriffen von Nazis. In Eilendorf wurde eine Antifaschistin zusammengeschlagen als sie in einen, offenbar mit Nazis vollbesetzten Zug einsteigen wollte.

Etwa 35 gewaltbereite Nazis waren derweil in Aachen unterwegs. Mit dem Zug am Bahnhof eingetroffen, marschierten sie sofort zum Autonomen Zentrum um dort evtl. einige wenige AntifaschistInnen anzutreffen. Das AZ war zu dem Zeitpunkt aber informiert und hatte rechtzeitig die Türen verrammelt. Also zogen die FaschistInnen wieder ab um in der Innenstadt eine Gruppe von drei Punks zu verfolgen und diese mit Glasflaschen zu bewerfen.

Am AZ wird die Nacht über Wache gehalten und es wird damit gerechnet, dass die Nazis erneut angreifen werden. Dies ist aber nicht der Fall. Zwischen 20.00 Uhr und 4 Uhr fahren nur immer wieder Autos, vollbesetzt mit Nazis am AZ vorbei. Teilweise filmend, teilweise rufend, teilweise einfach nur beobachtend.

Die Nazis werden ihre Aufmärsche feiern wie eine gewonnene Schlacht, soviel ist sicher. Auf der antifaschistischen Seite muss sich zum nächsten Jahr einiges ändern, damit der Aufmarsch beim nächsten mal verhindert werden kann und es nicht zu solchen traurigen Häuflein kommt wie dieses mal.

Zum Schluss noch vielen Dank an alle, die da waren, die versucht haben die Nazis zu blockieren und den ganzen Tag unterwegs waren, damit die Faschistischen Parolen kein Gehör finden.

Infos: AK Antifa Aachen

Ergänzung vom 4.April 2010/22:40 Uhr

Bei Indymedia gab es einige Kritikpunkte in Bezug auf diesen Artikel. Hiermit soll auf einige eingegangen werden.

- Diese Seite ist definitiv kein Nazifake und der Text wurde nicht von Rechten verfasst. Wer genau hinsieht, der merkt, dass diese Seite seit November 2008 betrieben wird und regelmäßig antifaschistische Aufrufe und Berichte veröffentlicht. Wer hier von einem Nazifake spricht, der/die sieht nur einfach nicht genau hin. Das Bild, das bei Indymedia eingefügt wurde hat keine umwerfende Bedeutung.

- In dem Bericht ist die Rede von einem Nazievent, das sich evtl. etablieren könnte. JedeR weiß, dass auch die Demos in Dresden mal mit einigen hundert Menschen angefangen haben. Es waren definitiv TeilnehmerInnen aus den genannten Ländern bei der Nazidemo anwesend. Die TeilnehmerInnenzahl kann selbstverständlich angezweifelt werden. Aber letztendlich kommt es nicht darauf an, ob es nun 500 oder 600 FaschistInnen waren, sondern darauf, dass sie ein ganzes Wochenende die Region für sich hatten. Und das muss angegriffen werden!

4.4.10 16:19
 


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